Ein Wochenende in Istanbul

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Schon im Flieger gibt es von der Turkish Airlines einen kleinen Vorgeschmack auf die leckere türkische Küche, Jörg hat sich für Pasta entschieden und schaut neidisch auf meine Köfte mit Reis. Am Flughafen in Istanbul angekommen ziehe ich uns Geld, dann ab auf die Suche nach den Bussen, die uns in die Stadt bringen. Der Flughafen ist noch niegel nagel neu, als wir landen, wirkt es fast wie ein Geisterflughafen. Noch ist nicht der komplette Flughafen in Betrieb und die Passagierdaten werden erst nach und nach hochgefahren. Jörg war schonmal in Istanbul und übernimmt jetzt das Regiment. Es lohnt sich, eine Istanbul-Card zu erwerben, mit der man die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen darf. Der Transfer nach Istanbul dauert dann aber noch über eine Stunde, besonders die letzten Meter geben einen kleinen ersten Vorgeschmack auf den Istanbuler Verkehr. Zum Hotel sind es noch zwei Stationen mit der Straßenbahn und die Hagia Sofia und die blaue Moschee bilden schon jetzt eine beeindruckende Kulisse. Abends stromern wir noch durch die Gassen und entscheiden und für ein Restaurant, dass voll besetzt zu sein scheint. Als wir den besten Platz angeboten bekommen, sehen wir, dass es sich um eine einzige große Gruppe handelt. Welcher Nationalität, bekommen wir trotz intensiven Abhörmanövern leider nicht raus.

Freitag, 1. November 2019

Das Wetter lässt ein wenig zu wünschen übrig. Aber das Frühstück ist schonmal beeindruckend. Wie hauen uns die Teller voll und genießen Oliven, Schafskäse, Honig aus der Wabe und frische Früchte. Der erste Tagesordnungspunkt besteht aus dem Bazar. Da kann einem der Regen auch wenig anhaben, denn die Hallen sind überdacht. Wir schlendern mal links und mal rechts, mal hoch und mal runter. Dann geht es zur Hagia Sofia. Im Reiseführer steht doch tatsächlich, dass diese in fünf Jahren Bauzeit errichtet wurde mit über 100 Baumeistern und mehr als 10.000 Arbeitern. BER – schau auf diese Stadt! Doch man muss noch zu bedenken geben, dass nicht wenige der Arbeiter den Bau mit ihrem Leben bezahlt haben dürften, das sieht am Berliner Flughafen dann doch anders aus, da gab es nur zahlreiche Rücktritte. Es ist schon beeindruckend über die Steine zu stolpern, die so einiges an Geschichte gesehen haben. Sind hier tatsächlich Kreuzritter langgelaufen? Nicht nur Touristen sind in der Kirche zu finden, auch die ein oder andere Katze fühlt sich hier wohl. Und die Istanbuler sind sehr fürsorglich zu ihren Straßentieren, überall findet sich Essen und Trinken für die Stromer. Als nächsten Tagesordnungspunkt hat Jörg den Taksim-Platz ausgewählt, dort fahren wir mit der Istanbul-Card mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Und da es Mittagszeit ist, gibt es erstmal etwas zu futtern, einen typisch türkischen Burger, in einem weichen Brötchen. Wir schlendern noch ein wenig durch die Fußgängerzone bis Jörg schließlich das nächste Restaurant wiederfindet, in dem wir uns die Bäuche vollschlagen. Abends geht es dann noch ins Galata-Viertel, ein Muss für Abende in Istanbul, nette Cafés und schöne Läden, so lassen wir den ersten Tag in Istanbul mit dem einen oder anderen O-Saft aus Straßencafés stilvoll ausklingen.

Samstag, 2. November 2019

Der nächste Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein, Zeit die Hotelterasse zu erkunden, die einen schönen Ausblick über die Stadt und das Meer bietet. Wir planen eine Bootstour. Unsere Unentschlossenheit am Hafen ist so augenscheinlich, dass wir direkt angesprochen werden. Doch der angebotene Preis scheint nicht so attraktiv. Als wir schon weitergehen, läuft uns der Typ hinterher und geht nochmal um 100 Lira runter, na gut. Wir steigen in ein Auto, dass uns zu einer etwas abseitigen Anlegestelle führt. Ein wenig abenteuerlich. Der Ausblick auf dem Schiff ist herrlich, türkises Meer und orientalische Kulisse, nur ein paar Grad mehr könnten es sein. Nach ca. 2 Stunden ist unsere Fahrt beendet und Jörg hat eine Empfehlung für den leckersten Iskender-Kebab. Doof nur, dass er sich die Adresse nicht aufgeschrieben hat und nur so ungefähr weiß, wo sich der Laden befinden könnte. Eine Geduldsprobe für mich mit leerem Magen. Doch ein Wunder geschieht, und wir finden den Laden mit der Hilfe einiger Passanten tatsächlich! Und die lange Suche hat sich definitiv gelohnt. Ich esse in Rekordtempo, so lecker ist es. Mit vollen Bäuchen machen wir uns auf den Weg zur nächsten Fähre ins asiatische Viertel. Die Gänge sind wahnsinnig voll und wir suchen uns ein ruhigeres Plätzchen für eine Pause. Am späten Nachmittag darf es hier wohl schon ein Bier sein. Doch statt der erwarteten kleinen Biere kommen zwei halbe Liter. Danach bummeln wir durch ein Viertel wo sich ein Antiquitätenhändler an den nächsten reiht, mit überraschend vielen Antiquitäten auch aus Deutschland. Blöd nur, dass die Blase drückt, also müssen wir wohl noch ein Bier trinken, um die Toilette nutzen zu können. Auch hier gibt es nur wieder große … Anschließend stromern wir noch durch die menschenvollen Gassen, doch so richtig anmachen tut uns nix und der Iskender-Kebab hält noch satt. Also entscheiden wir uns die Fähre zurückzunehmen und Jörg kehren noch in ein Fischlokal direkt am Hafen ein. Wir versuchen noch einen Absacker im Galata-viertel zu nehmen, aber werden nicht so recht fündig, nur zwei Handtücher wechseln ihren Besitzer.

Sonntag, 3. November 2019

Heute ist Marathon in Istanbul und für uns leider schon der Abreisetag. Dass auch die Straßenbahn nicht fährt, hatten wir nicht erwartet. Jörg verzichtet aufs Frühstück und möchte lieber den Platz für ein Adana Kebab sparen. Ich nehme Frühstück, dann bummeln wir los und da die Schlange vor der Yerebatan-Zisterne sehr kurz ist, nehmen wir auch diese Sehenswürdigkeit noch mit. Laufstege führen durch die 336 Säulen, die auch mal Schauplatz im James Bond und bei Dan Brown waren. Heute sind aber „nur“ Schulklassen und ein paar Touristen unterwegs. Nach dem Mittagessen müssen wir uns auf den Weg zum Hotel und auf die Heimreise machen. Wegen des Marathons sind alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Innenstadt eingestellt, ein Taxi kann man sich aber vom Hotel aus rufen lassen. Vor der Tür werden wir aber schon von zahllosen Taxi-Fahrern angesprochen und lassen uns schließlich auf einen Fahrer ein. Gepäck geholt, und los geht’s. Da viele Straßen gesperrt sind, landen wir irgendwann in einer Einbahnstraße. Nachdem fünf Minuten kein Vorwärtskommen ist, geht der Taxifahrer auf die Strßae und hält selbst den Verkehr an. Als wir dann wieder fahren, will er auf einmal nochmal über den Preis sprechen, eine Autobahngebühr würde noch extra anfallen. Jörg hat nach einigen hin und her schon den Türgriff in der Hand und droht auszusteigen. Da lenkt der Taxifahrer ein. Smalltalk gestaltet sich angesichts sehr rudimentärer Englischkenntnisse dann doch eher schwierig. Am Flughafen angekommen, zahlt Jörg. Doch der Taxifahrer lässt 1000 Lira geschickt verschwinden und besteht auf weiteres Geld. Während Jörg noch diskutiert, schleiche ich aus dem Wagen, und bin froh, dass der Kofferraum nicht verschlossen ist. Ich sichere unsere Koffer. Der Taxifahrer will sich nicht beruhigen, doch wir sind uns keiner Schuld bewusst und gehen schnell ins Flughafengebäude.

In der Sicherheitskontrolle gibt es dann noch ein Problem, Jörgs Jacke ist auffällig, mehr uns mehr Sicherheitspersonal sammelt sich und sucht nach einem verdächtigen Gegenstand. Jörgs „May I help“ bringt den Übeltäter ans Licht: eine leere Patrone an seinem Reißverschluss. Ein netter Gag, aber in der Türkei versteht man damit keinen Spaß, die Patrone verbleibt in Istanbul, während ich nach der ganzen Aufregung noch vor Flugbeginn alle gekaufte Baklava in mich hineinstopfe.

Aber eines ist sicher, man muss nochmal hin. Eine tolle, facettenreiche Stadt mit beeindruckender Geschichte, pulsierendem Leben und leckerem Essen, da reichen drei Tage nicht!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s