Kennen wir uns? Havel-Radweg von Kratzeburg nach Havelberg

Dienstag, 2. Juni 2020

Kratzeburg – Fürstenberg

57,35 Kilometer

Meine allerletzte Etappe der „Tour Brandenburg“ hatte mich entlang der Havel geführt und die Strecke war so wunderschön, dass mein nächstes Ziel schon gesetzt war – zudem das Bikeline Buch zum Havel-Radweg noch in meinem Regal stand, perfekt. Auch in Zeiten von Corona … Zwar sind die ersten Hotels wieder offen, doch eine erste Recherche ergab, dass die meisten Hotels schon ausgebucht sind, da sie nur 60% der Betten belegen können. Also plane ich den Havel-Radweg von Berlin aus, morgens mit der Bahn zum Startpunkt, abends wieder zurück. Ich beginne also nicht direkt an der Havelquelle sondern in Kratzeburg. In knapp unter zwei Stunden erreichbar und man ist direkt in der Mecklenburgischen Seenplatte. An Seen spart die Etappe dementsprechend auch nicht: Käblicksee, Pagelsee, Zotzensee, Jäthensee, Roter See, Krummer See, Großer Labussee, Woblitzsee, um nur einige zu nennen. Hinter Weserberg folgt leider ein schlecht befahrbares Stück. Erst geht es parallel zur Landstraße in einer hohen Wiese, viele Leute scheinen hier in der letzten Zeit nicht entlanggeradelt zu sein, ich nehme einige Brennesselblessuren als Andenken mit. Kurz darauf dann weg von der Straße, allerdings im Sand, vielleicht auch erschwert durch die Trockenheit der letzten Monate. Er ist so tief, dass ich öfter zum Absteigen gezwungen bin und erstmal Pause mache. Danach läuft es rund und auch mit den Seen geht es munter weiter: Peetschsee, Gobenowsee, Trünnensee und – um es abzukürzen – etliche andere bis ich noch vor 15 Uhr mein heutiges Etappenziel in Fürstenberg erreicht habe. Nur die Strecke kam mir irgendwie bekannt vor und auch einen Pausenplatz konnte ich eindeutig definieren. Als ein großes Schild „Berlin – Kopenhagen“ auftaucht, dämmert es mir. Mein Blick abends in dem Bikeline-Führer bestätigt die Vermutung, bis Oranienburg wird die Strecke identisch sein. Nun denn, das Wetter ist prima, die Stimmung gut und bei Radwegen ist es wie mit Büchern, einmal angefangen, wird es dann doch meistens zu Ende gebracht, zumal die Strecke ja auch irgendwann neu sein wird. Mit dem Zug geht es nach einen sehr empfehlenswerten Kaffee direkt am Bahnhof zurück in meine heimische Unterkunft.

Mittwoch, 3. Juni 2020

Fürstenberg- Oranienburg

79,35 Kilometer

Heute bin ja schon darauf eingestellt, dass ich die Strecke kenne. Zunächst an der Gedenkstätte Ravensbrück vorbei, dann nach Himmelpfort, wo der Weihnachtsmann wohnt, gefolgt vom Ziegelpark Mildenberg, ausgiebige Mittagspause an einem See inklusive, daran mangelt es weiterhin nicht. Danach durch ein Waldstück, bei dem ich letztes Mal durch Regen fahren musste, heute bleibt es trocken und das letzte Stück Richtung Oranienburg am Kanal. Die Heimreisen gestaltet sich heute erfreulicherweise kurz.

Donnerstag, 4. Juni

Oranienburg – Potsdam

68,32 Kilometer

Heute ist Regen angesagt inklusive Unwetter. Doch während es schon in ganz Deutschland regnet, soll es zumindest hier bis mittags schön bleiben. Ich wage es und die Strecke heute würde dank Stadtnähe auch hinreichend Ausstiegsmöglichkeiten bieten. Auch hier kenne ich mich bestens aus. Langgewandert oder langgefahren. Bis kurz vor Spandau folgt man noch dem Radfernweg Berlin-Kopenhagen. Dann geht es eher städtisch zu, ordentlich gebaut wurde hier auf jeden Fall. In Spandau überlege ich, ob ich die Weiterfahrt wage und sehe erst jetzt, dass es eine Fährüberfahrt über den Wannsee gibt. In einer Stunde fährt sie, es sind 13 Kilometer, also Pause verkürzen und ab aufs Rad. 20 Minuten vor Abfahrt stehe ich am Fähranleger Kladow bereit und das Wetter meint es noch gut. Also mache ich mich auch an die letzten Kilometer vom Wannsee nach Potsdam. Zwar nicht mehr Berlin – Kopenhagen, aber nun der Mauerweg, den kenne ich auch, zweimalig 😉

Samstag, 6. Juni 2020

Potsdam – Brandenburg

65,77 Kilometer

Nach den Unwettern und einem Ruhetag haben sich die Temperaturen merklich abgekühlt. Das erste Streckenstück kenne ich durch einen Radausflug nach Caputh, ein sehr schönes Örtchen, wie auch Einstein wusste. Kurz vor Caputh biegt man Richtung Werder ab. Hier bin ich schon oft mit dem Zug entlanggefahren, heute gönne ich eine längere Pause auf der kleinen Halbinsel, die wegen des Kopfsteinpflasters besser zu Fuß als mit dem Rad zu erkunden ist. Und danach befahre ich doch wirklich erstmalig Neuland! Sehr schön geht es entlang der Havel bis ich bei Götz wieder auf die Streckenführung der Tour Brandenburg treffe und kurz darauf auch am gleichnamigen Etappenziel. Brandenburg ist wohl der einzige Bahnhof, der mir bislang begegnet ist, in dem man seine Fahrräder im Fahrstuhl hochkant befördern muss, ist da irgendwas mit der DIN-Norm schief gelaufen?

Sonntag, 7. Juni 2020

Brandenburg – Rathenow

65,71 Kilometer

Ich radele nun wieder auf bekannten Gefilden, denn der Havel-Radweg ist hier weiterhin identisch mit der Tour Brandenburg. Doch es ist schon länger her, als ich mit dem 1100 Kilometer langen Rundweg begonnen habe. Aber meine Pausenplätze erkenne ich wieder, auch hier in der Nähe vom Schloss Plaue. Auch heute steht wieder eine Fährüberfahrt an, als ich an der Anlegestelle in Pritzerbe ankomme, läutet der Fährmann gerade seine Mittagspause ein, so also auch ich. Mit Podcast im Ohr, Brötchen in der Hand, einem warmen Tee aus der Thermoskanne und Blick auf den Havelsee, es ging schon schlechter. Und nach 40 Minuten darf ich dann die Havel überqueren und meine Fahrt fortsetzen. Bei Milow geht es nun geradeaus, wieder ein paar Kilometer unbekanntes Terrain und wunderschön. Direkt an der der Havel durch malerische kleine Ortschaften. Um zu meinem Etappenziel Rathenow zu gelangen, muss ich den Havelweg verlassen und rechts abbiegen. Dass es sich hier um die „Stadt der Optik“ handelt, bleibt nicht unbemerkt, radelt man auf dem Weg zu Bahnhof doch direkt am Optikpark vorbei.

Montag, 8. Juni 2020

Rathenow – Havelberg

63,43 Kilometer

Heute steht die sechste und somit auch die letzte Etappe des Havelweges an. Ich habe mich gegen eine Abreise über Wittenberge entschieden, die über 90 Kilometer bedeutet hätte. Mit den An- und Abreisen bin ich ganz froh, wenn die Kilometeranzahl überschaubar bleibt, man sich aber doch angenehm erschöpft fühlt. Zunächst muss ich ca. 6 Kilometer radeln, um wieder auf die offizielle Streckenführung zu kommen. Hinter Grütz begegne ich einem Fuchs, keine 5 Meter von mir entfernt steht er da und rührt sich nicht. Alt und ein wenig zerzaust sieht er aus, vielleicht hat er einfach keine Lust, auf meinen verdutzten Blick hin das Weite zu suchen. Solche Begegnungen sind für mich immer etwas sehr Besonderes und beschäftigen mich noch die nächsten Kilometer. Und heute sehe ich endlich auch ein paar mehr Störche. Als Kind war das ebenfalls immer ein besonderer Moment, und als ich zwei Störche dabei beobachte, wie sie im frisch gemähten Gras nach Leckerbissen suchen, regt sich auch wieder mein Kind in mir. Die Störche nehmen mich so gelassen wahr wie der Fuchs. Die letzten Kilometer Richtung Havelberg radelt man zwar entlang einer stärker befahrenen Straße, doch die Havellandschaft ist auch hier beeindruckend und das finden zahlreiche Vögel ebenso. In Havelberg mache ich eine finale Mittagspause, erkunde kurz den Ort (auch hier wieder Kopfsteinpflaster) und mache mich dann auf zu den letzten acht Kilometern – nun nicht mehr auf dem Havelweg, sondern Richtung Glöwen, denn dort ist der nächste Bahnhof. Übrig bleibt nun noch der Havellandweg, der von Rathenow nach Spandau führt, doch dazu ein ein anderes mal bestimmt mehr, denn wie heißt es so schön: Man braucht ja noch Ziele im Leben.

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